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Das so genannte Böse und die Psychotherapie

Das Böse war Gegenstand von viel beachteten Büchern von Lorenz und Fromm. Lorenz versteht die Aggression als Trieb. Seine vermeintliche Legitimation des Bösen wurde viel kritisiert. Fromm differenziert gutartige von der bösartigen Aggressivität. Die Aggressivität dient bei Tieren letztlich dem Konstruktiven, dem Leben. Dem Menschen ist es vorbehalten, scheinbar sinnlos aggressiv zu sein, also destruktiv. Gespenstisch wirkt, dass das sogenannte Böse auf leisen Sohlen erscheint. Arendt spricht in diesem Zusammenhang von der Banalität des Bösen. Aus sozialpsychologischer Sicht versteht Zimbardo das Böse als – wenn auch erschreckende – Normalität. Gruen weist auf das psychoanalytische Konstrukt der Identifikation mit dem Aggressor hin. Der Prozess der „Ich-Werdung“ ist dem Wesen nach ein Identifikationsprozess mit dem Anderen, eine Entfremdung und legt die Möglichkeit des Destruktiven in uns an. Da die Identität des Menschen immer ein fragiles Konstrukt darstellt, führt jede diesem Konstrukt widersprechende Wahrnehmung zu Angst. Nicht nur widersprechende Wahrnehmungen lösen diesen letztlich der Selbstrekonstruktion dienenden Prozess aus, sondern auch Wahrnehmungen, die angstbesetzte Gedächtnisinhalte zu aktivieren im Stande sind. In diesem Sinne sind alle Kriege, auch sogenannte Angriffskriege, Verteidigungskriege. Desgleichen dient jeder Konflikt der Selbstverteidigung beider Partner. Das sogenannte Böse entsteht aus dem sich selbst reflektierenden Bewusstsein. Dementsprechend ist es eine conditio sine qua non, Verständnis für die jenseits der eigenen Realität gelegene Wirklichkeit zu entwickeln, um den eigenen bösen Tendenzen entgegenzuwirken. Die eigenen bösen Tendenzen sind nämlich die Reaktionen auf das sogenannte Böse des bedrohlichen Anderen.

14.00 - 14.30

Michael Lehofer

Michael Lehofer

 
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