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Emotion, Freiheit, Schuld

Sind wir Menschen nur determinierte Marionetten, die an den Schnüren unserer Neuronen und Emotionen zappeln? Implizit und explizit liegt diesem beunruhigenden Bild folgende Überlegung zugrunde: Unsere bewussten und unbewussten Entscheidungen und in weiterer Folge unsere Handlungen werden ausschließlich durch materielle Prozesse — qua neuronales System und emotionale Dynamik — determiniert. Wir sind also im Grunde nicht frei und können daher auch nicht zur Verantwortung gezogen werden: „Meine Neuronen sind schuld!“... Die weitreichenden Folgen in nahezu allen Bereichen des menschlichen Lebens, vor allem im ethischen oder therapeutischen Kontext sowie im Bereich der Rechtssprechung, liegen auf der Hand.

Bei genauerem Hinsehen entpuppen sich diese scheinbar so schlüssigen Belege und die daraus abgeleiteten Argumente als ein wenig brüchig. Sie basieren auf einer positivistisch- physikalistischen Perspektive des Menschen. Wenn wir das Nicht-Materielle mittels Prämissen und angewandten Methoden ausschließen, ist es nicht verwunderlich, dass wir es auch in unseren Untersuchungen nirgends finden. Im Grunde haben wir es „nur“ mit den bis in die letzte Konsequenz ausbuchstabierten Implikationen eines Bündels von positivistischen Annahmen zu tun, die dummer- resp. erfreulicherweise tief greifende Folgen für das (Selbst-)Verständnis des Menschen haben.

Diesen Überlegungen wird ein Plädoyer für die Offenheit im Denken und Forschen in Form eines Menschenbildes gegenübergestellt, welches auch für die nicht-materielle Dimension des Menschen offen ist. Es wird zu zeigen versucht, dass der Mensch seinen Emotionen und neuronalen Dynamiken nicht notwendig völlig ausgesetzt sein muss, sondern durch eine balancierte Kooperation dieser Bereiche erst zu dem wird, was ihn in seinem Wesen als Menschen ausmacht. Die Schuld kehrt wieder zurück, aber auch die Möglichkeit zur Entscheidung für das Gute.

10.45 - 11.15

Markus Peschl

Markus Peschl

 
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