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Ist Schuld ein Gefühl?

Die herrschenden psychologischen ebenso wie neurobiologischen Theorien beruhen auf der Grundannahme einer psychischen Innenwelt, in der die subjektiven Erfahrungen untergebracht werden müssen, da in der vermeintlich rein physikalischen Außenwelt kein Platz für sie zu bleiben scheint. Gefühle, Stimmungen oder Atmosphären sind demnach keine Phänomene in der Welt, sondern bloße Innenzustände, die entweder einer individuellen Psyche oder aber unmittelbar dem Gehirn zuzuschreiben sind. Damit wird auch Schuld zu einer subjektiven Empfindung, die sich in bestimmten Hirnarealen lokalisieren lässt. Zudem scheint die neurobiologische Infragestellung der Willensfreiheit Schuldgefühle als letztlich illusionär zu erweisen. Demgegenüber hat Martin Buber Schuld als ein überpersönliches Phänomen charakterisiert, das sich nicht auf ein Individuum beschränken lässt. – Ist das Schuldgefühl also letztlich nur eine Begleiterscheinung bestimmter Hirnprozesse, oder entspricht ihm eine Wirklichkeit in der Beziehung zwischen Menschen? Wo ist der Ort der Schuld? Und hat es überhaupt noch Sinn, von persönlicher Schuld zu sprechen?

10.15 - 10.45

Thomas Fuchs

Thomas Fuchs

 
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